«Die Garagisten haben keine Angst vor der E-Mobilität»

Nicolas Leuba auf dem Sender TSR

«Die Garagisten haben keine Angst vor der E-Mobilität»

20. Oktober 2021 agvs-upsa.ch – Eine grüne Ständerätin, ein Strombaron und ein Vertreter des Autogewerbes an einem Tisch: Beste Voraussetzungen für eine spannende Diskussion um Elektromobilität.
 
sco. Bereits mehr als jeder zehnte Neuwagen in der Schweiz verfügt über einen batterieelektrischen Antrieb. Die Sendung «Forum» des Westschweizer Fernsehens TSR ging der Frage nach, ob dieses Wachstum nicht zu schnell vonstattengeht, ob die Infrastruktur schritthalten kann und welche Rolle der Garagist dabei spielt. Für den AGVS nahm Zentralvorstand Nicolas Leuba an der Diskussion teil und machte rasch klar, dass die Schweizer Garagisten für die Transformation vom Verbrennungsmotor zum batterieelektrischen Fahrzeug (BEV) bereit sind: «Die wahre Herausforderung ist die Ladeinfrastruktur, ich denke da insbesondere an die städtischen Zentren. Ladestationen aufzustellen, ist das eine – aber die Energieversorgung muss auch gewährleistet sein!»

Jacques Mauron, Generaldirektor des Westschweizer Elektrizitätsunternehmens Groupe E beruhigte: «Es ist eine Herausforderung, aber wir sind auf gutem Weg.» Wichtig sei, dass alle Neubauten mit Ladestationen ausgerüstet würden und auch die Besitzer von bestehenden Immobilien nachrüsten: «Das kann für einen Hausbesitzer ein gutes Argument sein, um Pendler anzuziehen, die elektrisch unterwegs sind.» Immerhin 70 Prozent aller Schweizerinnen und Schweizer pendeln zur Arbeit. 

Viele Leute würden sich noch nicht trauen, Elektrofahrzeuge zu kaufen, weil sie nicht wüssten, wo sie diese laden könnten, warf Adèle Thorens ein. Nicolas Leuba, der seit zwei Jahren ein Elektro-Auto fährt, relativierte: «Ich hatte in diesen zwei Jahren nie ein Problem, wenn ich von meinem Wohnort Pully an Sitzungen in Genf, Sion oder Bern fahren musste.» Ausnahme seien Meetings im mehr als 200 km entfernten Zürich: «Da kläre ich vorher ab, wo ich mein Auto aufladen kann.»

Mit John Desmeules kam in einer Einspielung auch ein Garagist zu Wort. Der Inhaber der Garage Desmeules in Montricher VD fürchtet, dass aufgrund der Elektromobilität die Arbeit weniger wird und demzufolge Garagen verschwinden werden: «Wir stellen schon heute fest, dass die Service-Intervalle länger werden – einfach, weil die Qualität der Autos immer besser wird.» Natürlich müsse man der Marktentwicklung folgen, so John Desmeules. Aber es sei ein Risiko, als Garagist ausschliesslich auf die E-Mobilität zu setzen. Der Verbrennungsmotor werde bleiben. «Ob ich recht habe oder nicht, wissen wir in zehn Jahren…»

Die E-Mobilität sei eine neue Chance, eine neue Möglichkeit, stellte Nicolas Leuba fest. Er gab AGVS-Mitglied John Desmeules aber recht, weil der Elektroantrieb nicht in jedem Fall und überall die geeignete Lösung ist: «Zudem gibt es nicht nur den Verbrenner oder das reinelektrische Auto, dazwischen existiert eine ganze Palette an verschiedenen Hybrid-Konzepten.» Nicolas Leuba geht davon aus, dass auch 2030 und 2040 noch 50 Prozent der Schweizer Fahrzeugflotte über einen Verbrennungsmotor verfügt, und nimmt die Ölbranche in die Pflicht: «Diese Fahrzeuge sollten wir mit synthetischen Treibstoffen fahren.»


Adèle Thorens gab dem AGVS-Vertreter recht: «Der Wandel kommt nicht über Nacht, Verbrenner werden noch lange auf unseren Strassen fahren. Die Garagisten haben also Zeit, sich auf den Wandel vorzubereiten. Sie haben gezeigt, dass sie das können, gehen den Wandel mit grosser Seriosität an.» Es gehe nicht darum, bis 2050 jeden Verbrenner durch ein BEV zu ersetzen, so die grüne Ständerätin; «Es geht auch um neue Mobilitätsformen. Der öffentliche Verkehr soll attraktiv und erschwinglich sein. Und auf der Kurzstrecke in städtischen Gebieten kann man auch zu Fuss gehen oder Velo fahren. Das ist ökologischer als die Elektromobilität.»


Gleichzeitig rief Adèle Thorens zu einer Bildungsoffensive auf, sowohl in der beruflichen Grundbildung wie in der Weiterbildung. Den Ball nahm Nicolas Leuba nur zu gerne auf. Er verwies auf das Center de Formation in Yverdon, das derzeit für 23 Millionen Franken erstellt wird und im Sommer 2023 bezugsbereit sein wird: «Unsere Garagisten sind flexibel genug für diese Herausforderung. Sie werden sich noch mehr zu Mobilitätsdienstleistern entwickeln. Wir haben keine Angst vor diesem technologischen Wandel. Wir sind bereit.» Wichtig sei, gemeinsam intelligente Lösungen für den Verkehr von morgen zu entwickeln, so Nicolas Leuba an die Adresse von Stromproduzent Mauron und Politikerin Thorens: «Dann bekommen wir das hin.»

Screenshot: RTS
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