«Ich habe Benzin im Blut und bin aufgeladen!»

Grundeinstellung der Garagisten

«Ich habe Benzin im Blut und bin aufgeladen!»

3. November 2021 agvs-upsa.ch – Die Automobilindustrie ist im Umbruch: Hersteller erhöhen durch weniger, dafür grössere Unternehmenseinheiten Auslastung sowie Produktivität und besetzen Schlüsselpositionen in digitalen Geschäftsmodellen. Markus Aegerter, AGVS-Bereichsleiter Branchenvertretung, sagt im Interview, wie der Garagist seinen Platz im Markt behaupten kann. 
 
mig. Herr Aegerter, die Chance der kleineren Garagenbetrieben liegen gemäss den Mobilitätsexperten Axel Uhl (Dozent für Digitalisierung, Hochschule Luzern) und Boris Ricken (Head of Manufacturing, AWK Group) darin, sich Fachwissen über die neuen Technologien, Sensoren, Kamerasysteme und Batterierecycling anzueignen. Auch sollen Fehlerdiagnose und Reparatur von Batterien angeboten werden. Wie beurteilen Sie das? 
Markus Aegerter, AGVS-Bereichsleiter Branchenvertretung: Dem stimme ich zu. Ein zeitgemässer Garagisten und Unternehmer muss ein technologieoffener Mobilitätsberater und -dienstleister sein. Die Ausbildung im Rahmen der genannten und weiterer, «neuer» Technologien ist deshalb sehr wichtig. Das Ganze beginnt aber schon bei der Grundeinstellung aller Mitarbeitenden, vom Inhaber/Geschäftsführer bis zum Lernenden: Jeder Garagist, der heute von sich sagt, «Ich habe Benzin im Blut», sollte künftig noch hinzufügen «und bin aufgeladen!» 

Wie finden, vor allem freie Garagisten, ihre Nische im Markt? 
Durch Technologieoffenheit, stete Weiterbildung und innovative Dienstleistungen. Er sollte bereit sein, sich mit neuen Mobilitätsformen wie Sharing- und Abo-Angeboten auseinanderzusetzen, und muss die verschiedenen Antriebe gut kennen. Er muss aber auch seine Kosten im Griff haben und entsprechend kalkulieren können. Eine vermehrte betriebswirtschaftliche Stärkung seines Fachwissens wird deshalb wichtiger. Und er sollte bereit sein, in die Digitalisierung seiner Werkstatt zu investieren, um seine Prozesse, so weit wie möglich, effizienter zu gestalten. Das alles gilt natürlich auch für die Markenvertreter.

Wie kann von Markenvertretern eine Zusammenarbeit mit Herstellern gefördert und damit ein Alleingang des Herstellers verhindert werden? 
Hier sind meines Erachtens insbesondere die Markenhändlerverbände (MHV) gefordert. Der AGVS unterstützt diese im Rahmen seiner Tätigkeiten in der sogenannten Markenkommission. Es sind die MHV, die sich bei den Vertretern der Hersteller/Importeure für faire Rahmenbedingungen der Markenhändler einsetzen. Aktuell zum Beispiel im Hinblick auf die Abklärungen im Zusammenhang mit Agenturmodellen. Es ist wichtig, dass die Händler echte Agenturverträge erhalten. 

Welche Rolle kommt der Kundenpflege künftig zu? 
Die ist absolut zentral! Der Garagist ist nach wie vor der erste ­Ansprechpartner der Schweizer, wenn es um ihre motorisierte Mobilität geht; er gilt als DER Autofachmann. Nicht ohne Grund haben in der Schweiz Online-Portale, welche Werkstattarbeiten an den günstigsten Anbieter vergeben, bisher wenig Marktanteile gewonnen. Die Garagisten machen einen guten Job, die Kunden haben Vertrauen. Durch die zunehmenden Versuche der Hersteller, ihre Fahrzeuge online zu verkaufen, kommt der Kundenpflege seitens des Garagisten noch mehr Bedeutung zu.

Wie finden Garagisten ihre Nische im Markt?

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